Das Jahr im Weinberg (Teil 2)

JULI

Optimale Wachstumsbedingungen erhoffen wir uns und damit muss bei entsprechender Sonneneinstrahlung und Feuchte die Bodenbearbeitung fortgesetzt werden. Bei den Laubarbeiten geht das Heften zu Ende, in wüchsigen Anlagen werden die ersten Triebe eingekürzt - mit Anbaulaubschneidern oder im Steilhang, z. B. in der Lage Felsenberg, mit der Sichel. Das Einkürzen der Triebe lenkt die Nährstoffversorgung mehr in Richtung Trauben und sorgt für bessere Belichtung und Belüftung der Zeilen. Dies setzt den Befallsdruck für Pilzkrankheiten herab. Die Spritzungen müssen in einem Turnus von 10-14 Tagen, entsprechend dem Vermehrungszyklus des Pilzes Plasmopara viticola (falscher Mehltau), wiederholt werden. Hinzu kommt das Mulchen des Grasaufwuchses in jeder zweiten Zeile. Bei den Jungreben im 1. Standjahr werden die Geiztriebe ausgebrochen. Dies erhöht die Wuchskraft - der Juli ist sicher kein Ferienmonat in unserem Beruf!

 

AUGUST

Die Sommerhitze ist hoffentlich da und leichtes Grubbern soll die Kapillaren im Boden brechen, um unnötige Wasserverluste durch Verdunstung zu vermeiden. Eine Tätigkeit, die in den letzten Jahren bei fast durchgehend trockenen Sommern eine erhöhte Bedeutung erlangte. Die Zeitspanne zur Schädlingsbekämpfung erreicht Anfang August den Höhepunkt und Abschluss. Vorher ist eine intensive Beobachtung der Rebanlagen angesagt, denn jede Krankheit oder Schädling, der jetzt nicht erkannt wird, kann danach erhebliche Schäden verursachen oder muss mit hohem Aufwand noch einmal bekämpft werden. Die Standardbekämpfung mit Kupfer (gegen falschen Mehltau) und Schwefel (gegen echten Mehltau) wird dann durch die eventuell nötigen Maßnahmen ergänzt oder die Auswahl der Mittel verändert. Dies ist dann mittlerweile die 5. Spritzung. Das Einkürzen der Triebe geht jetzt in die zweite Runde, wobei unter wüchsigen Bedingungen auch Ende August/Anfang September eine dritte erforderlich sein kann. Der Boden sollte nun nicht zu locker liegen, um Erosionen bei starken Gewittern zu verhindern. Die Jungreben werden intensiv gepflegt. Anbinden an den Pflanzstab und Ausbrechen der Geiztriebe, Pflanzenschutz und Bodenlockerung heißen die Aufgaben. Jetzt sollte in diesen Anlagen der neue Drahtrahmen erstellt sein bzw. in Angriff genommen werden, d. h. Stickel einschlagen, Anker eindrehen, Drähte ziehen, Pflanzstäbe anrödeln, sprich befestigen.

 

SEPTEMBER

Im Weinberg eigentlich der Puffermonat. Die entscheidende Tätigkeit ist die regelmäßige Kontrolle der Rebanlagen im Rahmen der Qualitätsüberwachung. Die Augustarbeiten, vor allem Gipfeln und Bodenbearbeitung werden abgeschlossen. Arbeiten, die aufgrund des Sommerprogramms zurückstehen mussten, werden nachgeholt und je weiter der Monat voranschreitet, desto wichtiger wird der Schutz der Trauben vor unliebsamen Erntehelfern wie Starenschwärme, in Waldnähe auch Rehe oder seit wenigen Jahren Wildschweine. Daneben stehen die Vorbereitungen zur Weinlese und das Hoffen auf viel Sonnenschein auf dem Programm.

 

OKTOBER

Und mit der Ruhe im Weinberg ist es vorbei!


Beobachten, spekulieren, prüfen, hoffen, bangen, Hektik, Spannung und viel Arbeit dominieren sowohl im Weinberg als auch im Keller. Intensivstes Kontrollieren der Trauben auf Reife und Gesundheitszustand ist zu Beginn des Monats vorherrschend. Während die Gesundheit der Trauben per Augenschein ermittelt wird, liefert die Beerenprobe zuverlässig das Qualitätsniveau. Es werden dabei aus jedem Weinberg 200 einzelne Traubenbeeren möglichst willkürlich als Probe entnommen. Diese werden anschließend gepreßt, der Saft auf Mostgewicht und Säure untersucht. Zusammen mit dem visuellen Zustand ergibt sich daraus eine gewisse Ernteplanung, die je nach Witterungsverlauf und neueren Ergebnissen während des Herbstes überarbeitet wird.


Die Weinlese beginnt in der Regel um den 10. Oktober, mit einer langjährigen Schwankungsbreite von +/- 10 Tagen. Zur Ernte treffen nun 8-10 polnische oder rumänische Erntehelfer ein, die mit unseren einheimischen Helfern die Lesemannschaft auf ca. 15 Personen aufstocken. Die Lese beginnt mit dem Müller-Thurgau. Im Normalfall folgen darauf der Auxerrois, Spät- und Weissburgunder und last but not least der Riesling. Die Ernte erfolgt selektiv, d. h. je nach Qualitäts- und Gesundheitszustand in 1-3 Durchgängen. Der Fortgang der Arbeiten ist dabei eindeutig witterungsabhängig, wie z. B. 1998 bewies: Hektik wechselte mit Niedergeschlagenheit, Langeweile mit Erfolg. Es ist der wichtigste Monat im Weinberg und gerade bei guten Qualitätsaussichten ein Vabancque-Spiel zwischen Zuwarten und Einbringen der Trauben mit einer großen Unbekannten - dem Wetter.

 

NOVEMBER

Die Ernte geht in den ersten Tagen des Monats dem Ende entgegen. Weiteres warten ist durch die kürzeren Tage, längeren Nebelphasen und damit Problemen beim Abtrocknen der Trauben nach Regenfällen mit hohem Risiko verbunden. Nur in außergewöhnlichen Fällen riskieren wir eine Hauptlese der Trauben nach dem 5. November. Ausnahmen wie 1998 oder 1996 sind aber durchaus möglich und ohnehin muss man für den Eiswein immer gewappnet sein.


Nach Abschluss der Traubenernte werden überalterte Anlagen oder Weinberge in schlechtem Zustand ausgehackt und zur Wiederbepflanzung in 2-3 Jahren vorbereitet. Bei sehr günstigem Witterungsverlauf (trocken oder längere Frostperioden) beginnen wir mit dem Einbringen organischer Dünger und der Winterbodenbearbeitung.

 

DEZEMBER

Termingebundene Arbeiten im Weinberg gibt es nun nicht mehr. Der Schwerpunkt liegt nun beim Weinausbau. Günstige Witterung bietet jedoch in diesem Monat die Chance, einen bedeutenden Teil der organischen Düngung mit Stallmist oder Kompost zur Humusanreicherung vorzunehmen, per Anpflügen junge Reben durch das Zudecken mit Erde gegen starke Winterfröste zu schützen oder den Rebschnitt etwas vorzuverlegen. Allzeit bereit sein, muss man dabei für eine eventuelle Eisweinlese, denn ein Kälteeinbruch von mindestens -7° C ist jetzt immer wahrscheinlicher. Aber leider nicht sicher. Sollte das Wetter die Trauben bis dahin stark negativ beeinflusst haben, starke Minusgrade dazu nicht in Aussicht sein, so werden wir mit der Lese dieser Trauben das Ende einer Hoffnung besiegeln und auf das nächste Jahr hoffen.

 
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