Das Jahr im Weinberg (Teil 1)

Die Arbeit des Winzers im Jahresverlauf teilt sich in die Schwerpunkte Weinbau und Kellerwirtschaft auf. Jeder Bereich arbeitet mit entsprechend unterschiedlichen zeitlichen Schwerpunkten, die man für einen reibungslosen Betriebsablauf möglichst perfekt zu koordinieren sucht. Die größte Variable in diesem Zusammenhang ist natürlich der Witterungsverlauf, weshalb wir Ihnen zunächst das Jahr im Weinberg präsentieren.

 

JANUAR

Dieser Monat wird im Wesentlichen dominiert durch den Rebschnitt. Bei entsprechendem Wetter -Temperaturen über - 10° C, mäßig feucht und windig - werden die Reben abgeschnitten. Die Anzahl der Augen (Knospen) richtet sich dabei nicht nur nach den Möglichkeiten des Menge-Güte Gesetzes, sondern auch danach, ob Witterungseinflüsse des vergangenen Jahres Spuren hinterlassen haben. Zu diesen gehören Trockenheit, Krankheitsbilder, Fröste, mangelnder Wuchs. Ziel des Rebschnitts ist weiterhin eine optimale Anpassung des Wachstums der Reben an die Bedingungen des Erziehungssystems - in unserem Falle die sogenannte Drahtrahmenerziehung.

 

FEBRUAR

Der Rebschnitt wird fortgesetzt. Jedoch wird nicht nur angeschnitten, d. h. ca. 90-95% der letztjährigen Triebe abgeschnitten, sondern das überschüssige Holz aus den Drähten einer Zeile herausgezogen und in der Zeilenmitte zur späteren Zerkleinerung abgelegt. Das Herausziehen der Reben ist an sehr kalten Tagen eine durchaus wärmende Tätigkeit, denn vor allem der Riesling leistet durch am Draht haftende, stark verholzte Ranken heftigen Widerstand. Bei oberflächig gefrorenem Boden wird ähnlich wie bereits im Januar eine tiefe Bodenbearbeitung durch eine am Schlepper angebaute Spatenmaschine in jeder 2. Zeile vorgenommen. Diese tiefe Bodenlockerung reißt Verdichtungen im Boden auf, lockert diesen grobschollig, so dass durch die kommenden Frostnächte eine weitere Krümmelung des Bodens erfolgen kann. Des Weiteren können hartnäckige perennierende Unkräuter, Unkrautsamen und Pilzsporen unterdrückt werden. Daneben findet bei entsprechendem Wetter (Frost oder Trockenheit) bereits die Zerkleinerung (Häckseln) der abgeschnittenen Reben statt. Dies ist übrigens eine erste Möglichkeit der Düngung, denn das Rebholz enthält gewisse Mengen an Nährstoffen, die so im Boden verbleiben.

 

MÄRZ

Der Monat, in dem die Natur erwacht, die Reben aber noch ruhen. Der Rebschnitt sollte mit Ausnahme junger Anlagen zu Ende kommen. Der Schwerpunkt liegt nun bei der Reparatur der Drahtanlagen und Biegen (Gerten) der Fruchtruten auf den untersten oder die zwei untersten Drähte (Biegdrähte). Im Drahtrahmen werden marode Holzstickel ersetzt, fehlende Nägel geschlagen, die Bodenanker, die die Rebzeile bei Wind stabilisieren, kontrolliert und alle Drähte werden gespannt. Da wir in unserem Weingut die Flachbogenerziehung bevorzugen, wird beim Biegen - auch Gerten genannt - die angeschnittene Fruchtrute auf den untersten Draht gelegt und zweimal mit kurzen Drähtchen angebunden. Eine Arbeit, die ab Tagestemperaturen von 10° C und darüber stattfinden kann, denn dann sind die Reben durch den Saftfluss biegsamer und die Hände geschmeidiger. Feuchtigkeit hilft; starker Regen oder hohe Temperaturen sind hinderlich. Das Rebhäckseln an geeigneten Tagen geht weiter.

 

APRIL

Je nach Witterungsverlauf ist ab Mitte April der Austrieb zu erwarten. Dies bedeutet, dass die jungen Triebe aus den Winterknospen ausbrechen. Ab jetzt beginnt das Zittern, denn Frostnächte um diese Zeit können verheerende Folgen haben (so zum Beispiel am 21. 4. 1997). Bis zum Austrieb sollten Biegen, Rebhäckseln und Reparatur der Anlagen beendet sein. Bei Frostgefahr kommt auch die Bodenbearbeitung zum Erliegen, denn frisch bearbeitete Zeilen sind gefährdeter. Aus dem gleichen Grund werden die begrünten (mit Gras eingesäten) Reihen mit einem Anbaumulcher sehr kurz geschnitten.

 

MAI

Ein entscheidender Monat, denn die Eisheiligen haben immer wieder ihre Schrecken und erst nach dem 15. ist Aufatmen angesagt. Das Triebwachstum ist nun unmittelbar von den Temperaturen abhängig. Die Anlagen werden auf tierische Schädlinge und Pilzkrankheiten kontrolliert, bei Befall entsprechend behandelt. Eine seltene aber wichtige Maßnahme. Die Bodenbearbeitung bekommt nun neben Lockerung und Unkrautbekämpfung die Aufgabe, mineralischen Dünger einzuarbeiten, der vorher anhand von Ergebnissen der Bodenuntersuchungen berechnet und eingebracht wurde. Die zur Wiederbepflanzung vorgesehenen Weinberge, die bereits im November/Dezember tief umgepflügt (gerodet) wurden, werden eingeebnet und der Verlauf der Rebzeilen exakt ja nach Geländeverhältnissen festgelegt. Die jungen Reben treffen im Betrieb ein, Triebe und Wurzeln werden beschnitten und die Pflanzung erfolgt heute in der Regel durch einen Lohnunternehmer mit einer entsprechenden Rebpflanzmaschine.

 

JUNI

Der Juni ist der arbeitsreichste Monat und ein stetiger Wettlauf mit der fortschreitenden Vegetation muss gewonnen werden. Ende Mai beginnend, werden die jungen Triebe, die nicht benötigt werden (sog. Wasserschoße am Stamm) ausgebrochen, um die unnötige Arbeit beim Heften und Rebschnitt zu vermeiden. Die nun aufgrund warmer Witterungsbedingungen schnell wachsenden Triebe werden in den Drahtrahmen eingefügt, indem ein Drahtpaar zuvor auf dem Boden abgelegt, nach 10-14 Tagen in seine Drahtstation zurückgelegt und angezogen wird. Triebe, die nicht erfasst werden, sind einzustecken. Eine sehr stark terminbezogene Arbeit, denn zu frühes ist ebenso wie zu spätes Heften mit erheblicher Mehrarbeit verbunden; zudem sollten bei Blütebeginn - in der Regel um den 20. Juni - die Triebe zur Verbesserung des Blüteerfolges möglichst senkrecht stehen. Für die Rebblüte wünschenswert sind Temperaturen über 20° C. Bereits ab dem 10. Juni beginnen die regelmäßigen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, denn etwa zu diesem Zeitpunkt herrschen perfekte Infektionsbedingungen, vor allem für falschen Mehltau. Das Auftreten von Spinnmilben und des Traubenwicklers muss gleichzeitig beobachte werden. Während der Rebblüte sollte keine Spritzung erfolgen, die 1. Nachblütespritzung ist dagegen einer der wichtigsten Termine, denn die ungeschützten Fruchtknoten sind einer Infektion schutzlos ausgesetzt. Die Sommerbodenbearbeitung dient zur Bodenlockerung, um unnötige Wasserverdunstung zu vermeiden, das Bodenleben und damit die Mineralisation von Nährstoffen anzuregen und die Wasserkonkurrenz durch Unkräuter zu verhindern. Hinzu kommt die Pflege der Jungfelder, wo das Ausbrechen der ersten Triebe auf einen verbleibenden dringend ansteht.


Über die Arbeit von Juli-Dezember berichten wir im 2. Teil des Themas „Das Jahr im Weinberg".

 
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