Erntebericht 2006

2006 - EXTREME REGIEREN!

In vielen Aspekten ist der Jahrgang 2006 als einer der spannendsten Weinjahrgänge der letzten 50 Jahre einzuschätzen.

 

Sowohl in qualitativer Hinsicht gegen Ende der Ernte, im Tempo der fortschreitenden Fäulnis und damit notwendiger Turbo-Weinlese als auch in den extremen Witterungsbedingungen. Geschlossene Schneedecke und Minustemperaturen bis Mitte März, Rekordhitze im Juni und Juli, Negativereignisse wie der nasse und kalte August, Starkregen zu Erntebeginn, wieder Temperaturrekorde für September und Oktober machten uns Winzer zu Sklaven der Wetterkapriolen und den Weinbau zu einer einzigen Hatz vom Austrieb bis zum Abschluss der Ernte im Oktober.

 

Ein langer, kalter Winter bot zwar mit Schnee bis Mitte März ungewohnte Ansichten, aber da die Minustemperaturen nicht unter - 15° C sanken, blieben Frostschäden aus. Die wenigen sehr warmen Tage im April und Anfang Mai ließen den Austrieb trotzdem planmäßig vonstattengehen. Der dann einsetzende Regen und kühleres Wetter bremsten das Wachstum etwas, doch nach den ersten Junitagen war von ruhiger Entwicklung keine Rede mehr. Explosionsartig stiegen die Thermometer auf 30° C und mehr und vereint mit einer guten Wasserversorgung aus den Vormonaten startete in den Weinbergen ein Blitzwachstum, was uns zwei Monate ununterbrochen in Atem hielt. Die verschiedenen Phasen der Laubarbeit gingen direkt ineinander über, die Rebblüte lief ab Mitte Juni im Rekordtempo ab, so dass innerhalb nur einer Woche alle Weinberge bei besten Bedingungen verblüht waren. Das Traubenwachstum war ideal bis Ende Juli erster Trockenstress drohte. Der Monat Juli ging mit Rekordtemperaturen in die Wetteraufzeichnungen ein. Dass der August das umgekehrte Extrem bringen würde, war nicht zu erwarten. Starke Niederschläge bis 200 mm, Temperaturen fast 3° C unter dem Durchschnitt trieben das Wachstum der Reben, Trauben und Schadpilze voran und Pflanzenschutz stand im Fokus. Pünktlich zur klassischen Sommernacht kam der Sommer zurück und entschädigte mit Sonnenschein und Wärme für den verregneten August. Ein feuchtes Septemberende und 60 mm Niederschlag sorgten bei weiterhin hohen Temperaturen für extreme Fäulnis bei den mittlerweile reifen Trauben. Die Folge war eine Turbolese vom 29. September bis zum 21. Oktober, die Helfern und Familie Einiges abverlangte, um die Gefahr einer überhand nehmenden Fäulnis zu bannen. Besonders bei Müller - Thurgau, Domina und Riesling mussten erhebliche Ertragseinbußen in Kauf genommen werden, um optimales Traubengut zu erzielen. Die Burgundersorten waren hier unproblematischer. Das sich ab 10. Oktober einstellende ruhige, sonnige, trockene Herbstwetter ließ zwar beim Riesling die Menge weiter schwinden, die Mostgewichte stiegen aber plötzlich in ungeahnte Höhen. Werte über 100° Oechsle wurden zur Regel, Beerenauslesen an der Bastei, in der Kirschheck und im Felsenberg zur unerwarteten Dreingabe und eine Trockenbeerenauslese im Schloßböckelheimer Felsenberg zum Topergebnis eines aufregenden Wettlaufs mit der Zeit.

 

Die extreme Witterung von Mai bis Oktober hat uns 2006 in atemberaubenden Tempo vor sich hergetrieben, gleichzeitig bewiesen, dass voreilige Prognosen wenig taugen und uns zum Schluss atemlos, staunend und mit überragenden Ergebnissen zurückgelassen und jetzt sind wir dabei, das Beste daraus zu machen.

 
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