Erntebericht 2002

2002 - GEDÄMPFTE FREUDE NACH GROSSEN HOFFNUNGEN

Der Sommer 2002 an der Nahe ließ kaum zu wünschen übrig. Selbst der September passte mit trockener Witterung bei mittlerem Temperaturniveau noch ins Bild. Die ersten Trauben ernteten wir bei Auxerrois und Müller-Thurgau Anfang Oktober. Die guten Mostgewichte, ausdrucksstarke Säuren und das gesunde Lesegut ließen uns mit Blick auf einen Spitzenjahrgang langsam und beobachtend die Lese fortsetzen. Leider wurden diese Hoffnungen enttäuscht. Ab Mitte Oktober regierten Regen und Feuchtigkeit die Ernte und ein weiterer Zugewinn an Qualität konnte nicht mehr realisiert werden. Regen fast an jedem zweiten Tag unterbrach die Reife und Konzentrierung des Saftes in den Trauben, zögerte die Lese weiter hinaus und hielt uns stets zwischen Hoffen, Verzweifeln und Bangen. Es ist für einen Winzer ein fast tragischer Moment, mit ansehen zu müssen, wie kurz vor Toresschluss die Hoffnungen auf einen großartigen Jahrgang schwinden. Aber wir klagen auf hohem Niveau, denn ein Jahr wie 2002 hätten wir in den 80er Jahren hochgelobt, heute sind wir nach den 90ern verwöhnt und der Top-Sommer aus Weinbausicht hat die Hoffnungen ins Kraut schießen lassen. Jetzt sind wir auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt und die lauten:

 

1. Lange Zeit sehr gesundes Lesegut führte zu eleganten, feinfruchtigen Weinen ideal für den Ausbau trockener Weine.

 

2. Unsere Maßnahmen zur Qualitätssteigerung haben gegriffen und uns im Gegensatz zu vielen anderen Gegenden keine Übererträge sondern ein mittleres Ertragsniveau bei überdurchschnittlichen Qualitäten ermöglicht.

 

3. Ab Mitte Oktober haben wir durch sehr selektive Lese und konsequente Ausnutzung der kurzen Schönwetterperioden mit hohem Einsatz Top-Qualitäten eingebracht.

 

4. Das hohe Reifeniveau zu Beginn der Ernte ist verantwortlich dafür, dass wir 2002 zu den guten Weinjahrgängen zählen können.

 

Im Vergleich zu 2001 schlanker, rassiger, im Vergleich zu 2000 eleganter, feinfruchtiger, reifer. Allein die Topqualitäten ab Auslese und darüber sind dem Witterungsverlauf zum Opfer gefallen.

 

Die Weinernte endete am 12. November, der Regen dauerte an, praktisch bis in den Dezember hinein. Und dann kam der Frost. Perfekt angekündigt durch den Wetterdienst, konnten wir die Eisweinlese in Ruhe am 11. und 12.12.2002 in Angriff nehmen. Bei - 7,5 °C und - 8,5 °C haben wir im Traiser Nonnengarten und Rotenfels zwei Eisweine von 136° und 150° Oechsle bei gutem Mengenergebnis eingebracht. Ein sehr versöhnliches Ergebnis eines langen, arbeitsintensiven Jahrgangs 2002.

 
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